Tauschen-Gestern-und-Heute
Anfänge:
Die Ursprünge des Tauschhandels dürften weit, sehr weit zurückliegen. Es ist gut vorstellbar, dass es schon bei den ersten Menschen zum Tausch von Sachen oder Gefälligkeiten gekommen ist. Selbst als unsere Vorfahren noch in Höhlen wohnten, können sie schon Felle gegen Faustkeile, Streicheleinheiten gegen Lausen gestauscht haben. In der vorindustriellen Zeit blieb den Menschen nichts anderes übrig, als Dienstleistungen oder Gefälligkeiten gegen Nahrungsmittel (oder Wasser) zu tauschen.
Nach Einführung einer Währung wurde der Handel abstrakter. Nur in kleineren Gemeinschaften (Nachbarschaft, Familie, Erwerbsgemeinschaften etc.) kam und kommt es immer noch zum Tausch von Gefälligkeiten, Hilfen oder Sachwerten ohne Bezahlung, oft aber für Gegenleistungen von ideellem Wert: Selbstgebackenes oder -gekochtes, Bereitstellung einer Übernachtungsmöglichkeit und vieles mehr. Nicht vergessen werden sollte auch die Beschaffung notwendiger Mangelgüter in der ehemaligen DDR im Austausch gegen Westgeld oder –güter (sofern verfügbar) oder Mithilfe bei Projekten wie Hausbau, Gartenanlagen usw...
Gegenwart:
Die moderne Form des „Tauschrings“ hat seit den Anfängen um 1990 schon sehr viele Anhänger gefunden. Bis heute wurden mehr als 300 solcher Projekte ins Leben gerufen. Die Möglichkeit, mit einer virtuellen Währung zu zahlen, quasi ein Leben ohne Geld zu führen, begeistert immer mehr Menschen. Sie beteiligen sich am Tauschhandel , um an der Erprobung und Entwicklung einer gerechteren Form ökonomischen Handelns teilzunehmen. Für sozial Benachteiligte ist es möglich, mittels Fantasie und Kreativität vollwertige Teilnehmer am Tauschhandel zu sein, somit ihr Selbstwertgefühl zu steigern. Die Teilnahme am Tauschring steht allen offen, der Tauschhandel vollzieht sich ohne Geld, aber nicht umsonst, vielmehr durch eine Gegenleistung. Durch die organisierte Form des Tauschhandels ist es möglich, diese einem beliebigen Mitglied der Gemeinschaft zu erbringen. Abgerechnet wird mit einer virtuellen Währung, z.B. Talern, die zentral verwaltet werden, meist in Form eines Kontos.
Volmetaler Tauschring:
Der Meinerzhagener Tauschring, beheimatet im sozialen Bürgerzentrum „Mittendrin“, zentral gelegen im Zentrum, besteht seit über einem Jahr. In dieser Zeit konnten mehr als 60 Mitglieder gewonnen werden. Die Verantwortlichen des Tauschrings arbeiten ehrenamtlich. Während andere Tauschringe neben der Aufnahmegebühr einen jährlichen Beitrag verlangen, kann in Meinerzhagen jeder gegen 10 € „Eintrittsgebühr“mittauschen. Erbrachte Leistungen werden pro Zeitstunde mit 20 Volmetalern (VT) vergütet, andere Vereinbarungen sind auch möglich. Der Tauschhandel beschränkt sich nicht auf den Austausch -Dienstleistung gegen Volmetaler-, es ist auch möglich, Sachwerte oder Besitztümer gegen VT zu tauschen, der „Wert“ wird ausgehandelt. Damit sich die Mitglieder des Tauschrings gegenseitig kennenlernen, über ihr Erfahrungen sprechen oder offene Fragen klären können, treffen sie sich an jedem 2. Tag eines Monats um 19 Uhr im Bürgerzentrum. Nach dem offiziellen Teil sitzt man noch gemütlich zusammen und stärkt sich an den vielfältigen Leckereien des Mitbringbüffets, zu dem möglichst jeder etwas beiträgt.
Bedeutung von Tauschringen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten
Entschließt sich der ein oder andere in Zeiten einer boomenden Konjunktur zur Teilnahme an einem Tauschring, weil er von den Zielen und Möglichkeiten des Tauschhandels begeistert ist: fairer und gleichwertiger Umgang der Mitglieder untereinander ohne Beachtung sozialer Stellung oder Bildung, Einsatz sozialer Kompetenzen und Kooperation. Neubewertung von Leistung und Arbeit im Sinne gegenseitiger Hilfe und Unterstützung.
An Stelle sozialer Isolation oder Ausgrenzung gerechte Formen gegenseitiger Anerkennung und Hilfe statt schnöde Bezahlung erbrachter Leistungen, kann es in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten wie im Augenblick noch dringender sein, menschenwürdige Beschäftigungen, Anerkennung persönlicher Werte oder erlebbare Gemeinschaft ohne Geld zu ermöglichen. Gerade beim Tauschhandel, mit virtueller Währung statt Euros, ist es durch einen Tauschring möglich, wechselseitige Anerkennung und Würdigung – auch kleiner Leistungen - zu erleben.
Der Kreis derer, die am Tauschhandel teilnehmen möchten, wird auch dadurch größer, dass höhere Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, Frühverrentung und der Preisanstieg unverzichtbarer Dinge (Miete, Heizung, Nebenkosten, Kraftstoff) zur Verminderung der Kaufkraft führen. Werden Reparaturen oder notwendige Dienstleistungen fällig, hat manch einer kaum noch Geld dafür übrig. In diesem Fall kann es die Rettung sein, wenn im Tauschring jemand die Fähigkeit und das Geschick hat, diese Dinge erledigen zu können. Ebenso ist es sinnvoll, nicht unbedingt nötige, aber angenehme Dienstleistungen (z:B. Fußpflege oder Massagen) in Anspruch zu nehmen, die man sich sonst nicht leisten könnte. Dies trägt auch zur Lebensqualität bei.



